Fußballmonopol bei TV Übertragungen?

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Fußballmonopol bei TV Übertragungen?

 

Von der kürzlich stattgefundenen Vollelyball – WM waren im deutschen Fernsehen weit und breit keine Live Bilder zu sehen. Dafür hagelte es satte Kritik in Richtung ARD und ZDf, doch die wehren sich gegen die Kritik aus Sport und Politik. Wo aber bitte bleibt denn die stets propagierte Vielfalt in punkto Sport?

By: quatro.sinko – CC BY 2.0

Über diese Art der Ignoranz gab es reichlich Verärgerung auf vielen Seiten. Als jedoch der erste Ärger vorbeigezogen war, überwiegte die Freude. Immerhin gab es eine Bronzemedaille für die Herren und die Länderspiele der Frauen waren dann doch noch auf Sport 1 zu sehen, das sogar Live. Kürzlich jedoch fand sich Bundestrainer Vital Heynen im Interview mit der Zeitung „Welt“ wieder und der fand für die ganze Sache sehr eindeutige Worte. Er bezeichnete es als „Schande, dass kein öffentlich rechtlicher Fernsehsender unsere Weltmeisterschaft überträgt. Dabei sollte dies eine Pflicht für das gebührenfinanzierte Fernsehen sein.“ Er sei, so Heynen weiter, „absolut nicht einverstanden mit der Wertschätzung der Mannschaftssportarten in Deutschland. Wenn fast nur noch Fußball gezeigt wird, gerät der Restsport logischerweise immer mehr in die Sackgasse.“ Mit diesen Worten hat sich der Belgier Luft gemacht und spricht vielen Deutschen aus der Seele.

 

Mit diesen offenen und mehr als unmissverständlichen Worten hat Heynen vor allem aber auch bei hochrangigen Sportpolitikern offene Türen eingerannt. So kommentierte der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag: „ARD und ZDF lassen sich in der Sportberichterstattung stark von Quote und Marktanteilen leiten. Doch müssen sie sich diesem Diktat beugen? Sie haben schließlich einen Programmauftrag.“ Mit diesem Vorwurf steht jedoch Ebergard Gienger bei Weitem nicht alleine dar. Weiter sagte er: „ich spreche mich dafür aus, dass sie die Vielfalt des Sports in seiner Breite darstellen. Wenn eine Nationalmannschaft im Volleyball, wie durchaus absehbar gewesen war, Erfolge erzielt, dann sollte das auch im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein.“

 

Die Vorsitzende im Bundestagssportausschuss Dagmar Freitag von der SPD sagte hingegen: „Unstreitig ist Fußball die Sportart, der es mühelos gelingt, Millionen Sportfans vor den Bildschirmen zu versammeln. Insofern lässt sich die dominierende Rolle des Fußballs erklären.“ Daneben musste sie jedoch auch eingestehen, dass es neben dem Fußball durchaus auch noch andere Sportarten gäbe, die „durchaus das Potenzial haben, Zuschauer zu begeistern, belegen die erzielten Reichweiten bei der Übertragung von Olympischen Spielen.

Auch André Hahn, der sportpolitische Sprecher der Linke-Fraktion klinkte sich gerne in die Diskussion ein und ärgerte sich sehr darüber, dass weder ARD noch ZDF auch nur ein einziges Volleyball Spiel der gesamten WM Live übertragen hätten. Hahn ließ verlauten, er „halte das für völlig indiskutabel. Allerspätestens bei Erreichen des Halbfinales hätte hier mit kurzfristigen Programmänderungen reagiert werden müssen. Ich teile die Kritik von Bundestrainer Heynen ganz ausdrücklich.

 

Volleyball kein Sport für die besten Sendezeiten?

Die Zeitung „Welt“ hakte diesbezüglich nach und dabei wehrten sich die Sportchefs beider Sender vehement gegen die erhobenen Vorwürfe. Sie formulierten es so: „Der öffentliche Auftrag heißt nicht, dass wir live übertragen müssen. Er heißt, dass wir angehalten sind, darüber zu berichten.“ Mit diesen Worten versuchte Dieter Gruschwitz vom ZDF zu beschwichtigen und zu erklären. Er betonte weiter, dass der Sender durchaus seiner Verpflichtung zur Berichterstattung nachgekommen sei, was im Rahmen des „Sportstudios“ passierte. Weiter hält er die offene Kritik sowohl während als auch der Volleyball WM für absolut ungerechtfertigt. Hierzu sagte er wörtlich: „Man muss realistisch sehen, dass Volleyball keine Sportart ist, die man abends nach 20 Uhr zur Primetime im ZDF ausstrahlen kann. Wir können nicht wegen einer Volleyball-WM – bei aller großen Wertschätzung für diese Sportart – alles auf den Kopf stellen.“

Des Weiteren versuchte Gruschwitz zu erklären, dass die Sportart an sich eine große Unwägbarkeit berge, die eine Live Berichterstattung und Übertragung nahezu unmöglich mache. Man könne das Spiel einfach nicht timen, es könne über drei, ebenso gut aber auch über fünf Sätze gehen. In anderen Sportarten wäre es nicht der Fall, dass einem keiner sagen könne, wie lange das Spiel geht.

 

ARD Sportkoordinator Axel Balkausky versuchte sich mit folgender Erklärung: Er gab ab an, durch das Ansetzen der Spiele auf Viertel nach acht abends, also zur Hauptsendezeit, „waren keine regelmäßigen Übertragungen gewährleistbar, und so konnten wir die Rechte nicht erwerben. Um diese Zeit kommen wir nur in Ausnahmefällen ins Programm.“ Er betonte weiter, dass es besserer Gründe bedürfe, um wegen Live Übertragungen im Sport Bereich aufwendig produzierte Produktionen zu verdrängen.

 

Nun kann an jener Diskussion auch wieder weiter gerüttelt werden, Fakt jedoch ist, als öffentlich rechtliche Sender haben ARD und ZDF eine Verpflichtung den Zuschauern gegenüber, die diese beiden schlussendlich durch GEZ Gebühren finanzieren. Nun bleibt die althergebrachte Frage offen, warum lässt man denn die Zuschauer nicht einfach mitbestimmen? Auch eine Volleyball WM fällt nicht unerwartet vom Himmel und somit bleibt den Verantwortlichen jede Menge Zeit zur Planung. Vor allem wäre es doch in Zeiten der Demokratie vielleicht einfach mal angebracht, diejenigen zu fragen, die den eigenen Loh zahlen. Abstimmung heißt das Zauberwort. Doch scheint die Demokratie mit all ihren vielfältigen Möglichkeiten noch nicht bis in die Büros der verantwortlichen bei ARD und ZDF durchgedrun

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